Hoch hinaus und höher

Paramo-Trek Salento

Erinnert ihr euch noch an Floor? Sie war dabei in Medellín, in Guatapé und in Jardín haben wir uns auch getroffen. Tatsächlich waren wir jetzt auch zusammen in Salento, einem Städtchen in der Eje cafetero (Kaffeeregion) von Quindio und sie hatte eine ganz besondere Idee.

Kleine Stärkung vor der Kaffeetour

Als ich Samstag morgends nach einer Nacht im Bus von Medellín aus angekommen bin, war Floor noch gar nicht wach und ich habe erstmal ein fruchtiges Frühstück bekommen. An dem Tag haben wir dann auch noch eine Kaffeetour gemacht, weil das nicht allzu anstrengend, aber trotzdem interessant ist. Beim Ernten haben wir beide tatsächlich eine rote Beere gefunden (warum auch immer wir außerhalb der Erntezeit ernten sollten…) und beim Kaffeeverkosten hat Floor sogar den Schokoladenhauch geschmeckt.

Danach sind wir mit dem Jeep nach Salento reingefahren, weil wir ja noch etwas planen mussten. Und zwar hatte Floor am Tag zuvor schon ein paar Touranbieter abgeklappert und nch einem guten 3-Tages-Trek gesucht. Bei Gustavo von Salento Hikers haben wir auch das Passende gefunden und ich oder wir haben uns spontan für den Paramo-Trek am Sonntag (also den nächsten Tag) entschieden. Gustavo war mega nett, hat uns alles erklärt, gezeigt, Fragen beantwortet, Empanadas, Kaffee und Wasser ausgegeben und alles Nötige ausgeliehen.

Also mussten wir „schnell“ wieder ins Hostel, kochen, umpacken, Pläne für danach klären, duschen und den Wecker auf 5 Uhr stellen… damit wir dann am nächsten Morgen fit und bereit um 6:30 den ersten Jeep Richtung Valle de Cocora nehmen konnten. Unser Guide hieß Juan Manuel und Emmy aus New York war auch mit dabei.

Am ersten Tag sind wir dann also gegen 7:30 von der Valle de Cocora (bekanntes Palmental mit den höchsten Palmen) aus gestartet und sind durch die morgendliche frische Luft Richtung Bosque de Niebla (Nebelwald) gewandert, wobei wir noch Begleitung von anderen Touris hatten, die die längere Cocora-Route genommen haben. Es ging über Wiesen, vorbei an singenden Vögeln, durch Wald, über Pfade, Steine und Hängebrücken. Im Acaime Casa de los Colibries gab es dann Müsli und Früchte zum Frühstück, das Juan für uns getragen hatte.

Ab dort ging es dann immer steiler bergauf, durch den Nebelwald mkt ganz vielen Palmn, helecho (Farn) und Moos. Zum Glück konnten wir aber im Schatten der Bäume laufen und, wenn es steil bergauf ging, hat Juan auch langsamer gemacht. Eine längere Pause gabs dann bei Estrella de Agua, dort ist ein Zentrum zur Überwachung und Instandhaltung der Ökosysteme im Nationalpark, wo wir glücklicherweise die Toilette benutzen und unsere Flaschen auffüllen konnten. Als wir gerade unsere Snacks (, die wir für jeden Tag gestellt bekommen haben,) vernascht haben, wurde Floor in Florecita (spanisch für Blümchen) umbenannt und wir haben ein bisschen rumgewitzelt mit unseren Namen. Dann kam auch noch ein Pärchen mit Guide, das so ziemlich denselben Trek gemacht hat und das wir immer wieder gesehen haben.

Nebelwald

Der Weg wurde danach ziemlich steil und schmal, sodass es manchmal wie eine Schlammtreppe war, dann musste man fast klettern oder sich einen Umweg um den zu nassen Schlammsumpf suchen. Emmy hat sich dadurch aber nicht bremsen lassen und ist in ihrem ziemlich schnellen Tempo vorgegangen, während es mir und Floor schwerer gefallen ist. Zum Glück haben wir dann bald schon wieder Pause gemacht, um ein leckeres Wrap-Mittagessen zu verspeisen. Nach einem weiteren Kletter-/ Treppen-/ Schlamm-Abschnitt hat sich der Nebelwald dann plötzlich geöffnet und wir waren endlich beim Paramo angelangt. So eine Landschaft habe ich noch nie gesehen. Fast wie in einer Wüste gibt es kaum Pflanzen, nur die Frailejones (wie eine Mischung aus Kaktus und Palme). Es ist aber alles mit fahlem Gras bewachsen, Hügel und Berge so weit das Auge reicht. Und mittendrin nur wir 4 – Richtung Unterkunft wandernd.

An dem Tag sind wir aber noch ziemlich lange gewandert; die Beine wurden immer schwerer, der Abstand zwischen Juan/Emmy und Florecita/mir immer größer und der Wind immer stärker. Deswegen waren wir umso glücklicher, als wir an der Finca La Playa angekommen sind (, nachdem wir schon an einer anderen Finca vorbeigelaufen sind…). Die Finca bestand eigentlich nur aus einem kleinen Bretterhaus und es gab ein kleines Zimmer mit Stockbetten für die Reisenden. Der einzige wirklich warme Ort ist dort oben immer die Küche, in der Feuer brennt, über dem auch lecker gekocht wird. Es gab natürlich Reis, Bohnen und Ei, aber das macht ja auch gut satt und wir hatten dann noch ein bisschen Kraft, das traurige Fußballspiel gegen Ecuador anzuschauen.

Einfache Küche mit echtem Kochfeuer!

Am nächsten Morgen sind wir dann leider verfroren aufgewacht (trotz 5 Decken) und es gab ein Reis-Ei-Frühstück. Wenigstens konnten wir uns so am Feuer ein bisschen aufwärmen und dann ging es auch schon Richtung Paramillo de Quindío. Das waren 3 Stunden seichtes (manchmal auch steiles) auf und ab über Kuhwiesen und durch die karge Landschaft des Paramo. Der Paramillo war vor 100 Jahren noch ein Gletscher, was man heute auch noch ziemlich gut sehen kann. Als wir über die Gletscherzunge gelaufen sind, hat Juan dann irgendwann seinen Rucksack unter einen Baum gelegt und meinte, wir können unsere Sachen auch dort lassen, weil wir nur auf die Bergspitze und dann wieder zurückgehen würden. Gesagt, getan. Wir hatten dann nur noch unsere Wasserflaschen, Handys und Snacks in den Taschen. Schlauerweise hab ich auch meine Fließjacke ausgezogen, weil die nur schwer und heiß ist – hat ja die Sonne geschienen und gegen den Wind hatte ich meine Regenjacke…

Also ging es bergauf, bergauf und bergauf. Die Pfade waren eigentlich nur Geröll und Staub und es wurde tatsächlich immer steiler, nach jeder Kurve oder Anhöhe ging es noch ein ganzes Stück weiter. Juan und Emmy hatten schnell schon ein großes Stück Vorsprung, aber Floor und ich sind weiter in unserem Schneckentempo den Berg hochgekrochen. Das Anstrengende war nicht nur der steile Pfad, sondern einfach die Luft in der Höhe. Da hat man das Gefühl, man würde keine Luft bekommen und gleichzeitig zu viel; man atmet also kurz ein und umso länger aus. Und als es dann so richtig hoch ging, musste ich nach jedem fünften Schritt anhalten, um wieder richtig atmen zu können! Der Aufstieg war echt die Hölle und oben hab ich mich erstmal hingelegt, aber die Aussicht war natürlich auch toll! Auf der einen Seite grüne Berge, gegenüber die Paramo-Landschaft, der ehemalige Gletscher von oben, Felsen in verschiedenen Farben und keine Menschenseele weit und breit.

Als der Wind dann ziemlich stark und uns ziemlich kalt wurde (ohne Fließjacke…), fragte uns Juan, ob wir noch auf den nächsten Gipfel wollten (nur 20 Minuten) und die Aussicht von dort auf die andere Seite sehen wollten. Ich lehnte ziemlich schnell ab und war dankbar, dass die anderen es auch nicht unbedingt brauchten, sonst hätte ich natürlich mit hochlaufen müssen… Also haben wir alle die kurze Zeit auf dem Paramillo mehr oder weniger genossen und es ging endlich wieder bergab! Danach konnte ich so eine Art Glücksgefühl verspüren, weil der schlimmste Teil geschafft war, wir auf einem 4800 Meter hohem Gipfel waren und es Richtung Mittagessen ging! Unten schnappten wir unsere Rucksäcke und am Rastplatz angekommen gab es lecker Quinoa mit Gemüse und Avocado (natürlich!). Danach gab es einen kleinen Mittagsschlaf, weil sogar Juan ziemlich fertig war.

Der Rest des Tages war dann ziemlich unspektakulär, weil wir nur noch 2,5h bis zur Finca gelaufen sind. Es ging meist nur runter oder leicht hoch, was aber trotzdem manchmal noch zu viel war, aber so sind Berge nun mal. Es ging vom einen Berg zum anderen, nach jeder Kurve kam ein neuer Berg und keine Fincas in Sicht. Florecita und ich vertrieben uns die Zeit mit Gesprächen über Pubertät, Schminke, Studium usw., aber wir waren umso glücklicher, als nach einem steilen Abstieg endlich ein kleines Häuschen zu sehen war. Wir wurden netterweise von einem kleinen Jungen und Hund begrüßt, wobei der Junge uns nur angeknurrt hat (nein, nicht der Hund) und ein Brüllduell mit Florecita veranstaltet hat. Unsere Reservierung war dann anscheinend auch noch storniert worden und auf einen anderen Tag verlegt, aber wir konnten zum Glück trotzdem dort schlafen und essen.

Finca Buenos Aires

Die Finca ist echt toll gelegen und es ist auch nicht so kalt wie in La Playa, aber die Küche war trotzdem der wärmste Ort. Auch die Katze Panchas begrüßte uns dort und wurde natürlich von uns Mädels gestreichelt, wobei sie aber komische Bewegungen machte und sich komisch duckte, bis sie dann auf Emmys Schoß einschlief. Kurze Zeit später genossen wir dann ein lecker Abendessen mit dem französichen Pärchen, das auch in der Finca schlief. Es gab Suppe, Reis, Plátano und Ei mit Agua de Panela (heißes Wasser mit Rohzucker). Es ging dann aber auch schnell ins Bett, diesmal nur mit 3 Decken und es war kuschlig warm. In der Nacht hab ich ganz komisch geträumt und anscheinend ziemlich laut geredet, sodass Juan mich irgendwann gefragt hat, obs mir gut geht oder mir zu kalt ist (was ich sogar mitbekommen habe). Aber Emmy hat tatsächlich auch komische Geräusche gemacht in der Nacht, also war ich nicht die Einzige. 😀

Am letzten Morgen hab ich mich dann schon auf den Abstieg gefreut, der nur 5 Stunden Wanderung bedeutete und nach einem entspannten Frühstück (aus Suppe, Reis, Ei, Plátano und Crackern) ging es dann auch schon los. Der Weg bergab ist natürlich auch anstrengend für die Beine, aber es ging ab und zu auch hoch und wir machten immer wieder Pausen. In einer größeren Snackpause wollte Juan dann von seinem Blümchen (Florecita) wissen, was sie in ihrem Leben ändern wollen würde oder will und so hatten wir sogar ein bisschen philosophischen Tiefgang mit dabei. Meistens gingen jetzt Juan und Emmy vor, danach ich und Florecita – die Reihenfolge hat sich irgendwie über die Tage bewährt. Wir trafen immer wieder das französische Pärchen und im tropischen Wald angekommen sogar noch mehr Menschen, was ziemlich ungewöhnlich war. Mit Eukalyptus-Geruch in der Nase und den Palmen über den Köpfen ging es immer weiter runter, über einen Fluss, wieder hoch und wieder runter. Manchmal hörten sich die Bäume an wie alte, knorrende Türen, weil sie durch den Wind aneinanderrieben. Hier „unten“ waren auch immer mehr Vögel zu hören und schöne Blümchen zu sehen. Nach einer weiteren Snackpause war es dann nur noch eine Stunde und die ging auch noch ziemlich schnell herum. Dann gelangten wir wieder in die Valle de Cocora, diesmal in den touristischen Teil mit den höchsten Palmen und wurden von den ganzen Touristen und dem Trubel überrumpelt. Aber wir sind nicht zu dem bekannten Aussichtspunkt gegangen und haben ein Foto wie jeder Andere geschossen, sondern sind direkt zu den Jeeps Richtung Salento gelaufen.

In Salento angekommen gab es erstmal ein gutes Mittagessen und Gustavo kam auch noch dazu und hat uns ein bisschen ausgefragt. Aber leider ging es auch schon dem Ende zu und wir gingen zum Office, um unsere großen Rucksäcke zu holen, die wir dort deponiert hatten. Wir haben noch ein Feedback gegeben, Verbesserungsvorschläge und Emmy hat auf Juans komische Anspielungen hingewiesen, aber da musste Gustavo auch ein bisschen schmunzeln. Juan meinte 5 Minuten später dann noch, dass er Florecita vermissen wird und sie eine einzigartige Charaktere sei, aber auch das ließ sie eher an sich abprallen. Nach einem Kaffee und noch kleinen Gesprächen hieß es dann Danke sagen und Abschied nehmen, aber Gustavo meinte, wir könnten gerne wiederkommen.

So verließen Floor und ich dann das Büro und machten uns auf den Weg (natürlich bergauf!) zum Tralala-Hostel, wo wir unsere ganze Kleidung endlich wieder waschen konnten und sie Trockner-warm und duftend wiederbekamen… ein Traum!

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